Stillberatung von Hebammen

Ernährung im ersten Lebensjahr

Empfehlung des Österreichischen Hebammengremiums

Jede Mutter hat das Recht auf Beratung und Unterstützung beim Stillen durch Hebammen, Kinderschwestern, Ärzte und Stillgruppen. Bereits in der Schwangerschaft soll durch umfassende Information ein positives Stillklima geschaffen werden.

Stillen ist die beste und einfachste Ernährung in den ersten Lebensmonaten. Die Muttermilch enthält alle Nährstoffe, wichtige Vitamine, Spurenelemente und Abwehrstoffe. Stillen bedeutet auch Beruhigung, Wärme, Geborgenheit, Vertrauen und Lust für Mutter und Kind. Die gesamte körperliche und seelische Entwicklung des Kindes wird durch das Stillen positiv beeinflußt.

Das Österreichische Hebammengremium empfiehlt für alle Kinder ausschließliches Stillen nach Bedarf - von der Geburt bis zum Ende des sechsten Lebensmonates, auch während der Nacht.

Das Neugeborene soll nach der Geburt so früh wie möglich (vorzugsweise innerhalb der ersten Stunde) angelegt werden und für seine ersten Saugbemühungen ausreichend Zeit haben. Bereits in den ersten Tagen nach der Geburt reicht die Vormilch (Kolostrum) für die Ernährung aus. Die Vormilch ist reich an Immunglobulinen und anderen wichtigen Schutzstoffen für das Neugeborene.

Wiegen eines termingeborenen Kindes vor und nach dem Stillen ist nicht sinnvoll. Die Wiegekontrollen beim Kinderarzt, bei der Hebamme oder in den Mutterberatungsstellen sind ausreichend.

Das Neugeborene sollte häufig angelegt werden, um die Milchproduktion anzuregen. Die Muttermilch enthält einen Wasseranteil von 88 %. Dadurch ist auch im Sommer der Flüssigkeitsbedarf vollkommen gedeckt. Ist eine zusätzliche Gabe von Flüssigkeit nötig (starkes Schwitzen, Fieber, heißes Wetter), so soll dies in Form von abgekochtem Trinkwasser oder Tee erfolgen.

Theoretisch ist jede Mutter in der Lage, ihr Baby voll zu stillen. Sorge, Angst, Stress, zuwenig Unterstützung, aber auch Temperament und vermindertes oder erhöhtes Saugbedürfnis des Kindes können die Stillbemühungen erschweren. Stillen hat neben der besten Ernährung das Ziel, eine liebevolle Mutter-Kind-Bindung zu ermöglichen. Das Stillen erzwingen zu wollen, kann das Gegenteil bewirken.

Es kann manchmal vorkommen, daß die vorhandene Muttermilchmenge für das Baby nicht ausreicht. Dann sollte das Kind häufiger angelegt und eventuell zusätzlich gepumpt werden. Von grosser Bedeutung ist regelmässige und ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und körperlich- seelische Entlastung für die Mutter!

Bei zu starker Gewichtsabnahme des Babys in der ersten Lebenswoche oder bei zu geringer Gewichtszunahme in der Zeit danach, muß zugefüttert werden. Entweder pasteurisierte Spender-Muttermilch von der Frauenmilchsammelstelle oder "Pre"Nahrung (Säuglingsanfangsnahrung). Bei Folgemilchnahrungen mit "1" oder "2" im Handelsnamen besteht die Gefahr der Überfütterung und sie sollten nicht vor dem vollendeten 4. Lebensmonat gegeben werden.

Besonders Kinder mit einer familiär bedingten Disposition zur Allergie sollten idealerweise bis zum Ende des sechsten Lebensmonates ausschließlich gestillt werden. Sollte das Stillen nicht möglich sein und eine Säuglingsanfangsnahrung gegeben werden müssen, dann sollte diese hydrolisiertes (teilweise gespaltenes) Eiweiss enthalten ("Pre-HA"-Nahrung). Bei allen allergiegefährdeten und -erkrankten Kindern sollte die Ernährung in Abstimmung mit einem Kinderarzt erfolgen.

Auch Frühgeborene sollten so bald wie möglich nach der Geburt angelegt werden. Entweder kann die Mutter das Kind selber stillen, oder sie kann die Milch abpumpen und dem Kind mit dem Fläschchen geben. Selbst Kinder, die über Sonde ernährt werden, sollten vorzugsweise die Milch der eigenen Mutter erhalten. Ist das nicht möglich, sollte man auf andere Muttermilch zurückgreifen und erst als letzte Alternative zu einer industriell hergestellten Säuglingsanfangsnahrung.

Ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat (frühestens ab dem vollendeten vierten Lebensmonat) kann die erste Beikost gegeben und mit dem allmählichen Abstillen begonnen werden. Einmal täglich, eine Woche lang Gemüsebrei (gekochte pürierte Karotten oder Kürbis oder Pastinaken) löffelweise geben, soviel das Baby möchte. Die Beikost soll nicht gezuckert oder gesalzen werden. Der Rest des Hungers wird nach wie vor mit Muttermilch gestillt.

In der zweiten Woche zur erprobten Gemüsesorte gekochte, pürierte Kartoffel oder einen mit Wasser aufgekochten Brei von glutenfreien Getreidearten (Reisschleim, Hirseflocken oder Babymaisgriess) beigeben. In der dritten Woche zur erprobten Gemüsesorte gekochtes, püriertes Geflügel- oder Kalbfleisch beigeben (Eisenbedarf des Kindes). Jedes Nahrungsmittel wird einzeln eingeführt, um mögliche Unverträglichkeiten zu erkennen (Hautausschläge, Bauchschmerzen.)

Ab dem vollendeten siebenten Lebensmonat wird als zweite Mahlzeit gekochter Obstbrei (geschälte, gekochte, pürierte Äpfel oder Birnen oder Pfirsiche oder Marillen) gegeben, dem man auch Brei einer glutenfreien Getreideart untermengen kann.

Ab dem vollendeten achten Lebensmonat können auch glutenhaltige Getreidearten (Hafermark, Dinkelflocken, Weizen, Gerste, Roggen, Grünkern) gegeben werden. Voraussetzung ist, daß keine familiäre Allergieneigung bekannt ist.

Ab dem vollendeten neunten Lebensmonat wird rohes, feingeriebenes oder zerdrücktes Obst oder Gemüse angeboten.

Ab dem vollendeten zehnten Lebensmonat kann Joghurt und Butter gegeben werden. Ab dem ersten Geburtstag können Kinder am Familientisch mitessen. Von nun an kann auch Vollmilch gegeben werden.

Die Abstillphase sollte nicht in die heißesten Wochen des Jahres fallen, um die Gefahr von Infektionen im Magen-Darm-Trakt zu verringern.

Stillen ist ein partnerschaftlicher Vorgang, daher kann keine bindende Empfehlung für den genauen Zeitpunkt des Abstillens gegeben werden.

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