Stillen

Man ist, was man isst. (Ludwig Feuerbach)shutterstock_122124361

In der Schwangerschaft wird Ihr Baby über die Nabelschnur optimal mit den Nährstoffen versorgt, die es zum Wachsen und Gedeihen braucht. In den letzten Wochen der Schwangerschaft bilden sich der Saug- und Suchreflex sowie der Schluckreflex Ihres Babys aus, damit es auch nach der Geburt fähig ist, Nahrung aufzunehmen und so sein Überleben zu sichern.

Sicher haben Sie sich schon darüber informiert, wie Sie Ihr Baby in den ersten Lebensmonaten optimal ernähren können. Für die meisten Mütter ist es selbstverständlich, dass sie ihre Babys in der ersten Zeit stillen möchten. Manche sind da vielleicht noch nicht entschlossen, und in wenigen Fällen wollen oder können die Mütter ihre Kinder nicht stillen. Wenngleich das Stillen sicher die beste Möglichkeit darstellt, ein Kind in der ersten Zeit mit den Nährstoffen und Abwehrstoffen zu versorgen, die es wirklich braucht, hält die heutige Industrie mit der Säuglingsersatznahrung (Pre-Nahrung) gute Alternativen bereit.

shutterstock_51001693Vorbereitung der Brust auf das Stillen

Sie müssen Ihre Brust in der Schwangerschaft nicht speziell auf das Stillen vorbereiten, das macht die Natur von ganz allein. Sollten Sie Flach- oder Hohlwarzen haben, ist es empfehlenswert, wenn Sie Kontakt zu einer Hebamme oder Stillberaterin aufnehmen, damit diese den Stillstart genau beobachten und gegebenenfalls unterstützen kann.

Stillen

Spätestens mit der Geburt der Nachgeburt / Plazenta beginnt Ihr Körper mit der Produktion von Muttermilch. In den ersten Tagen wird die Muttermilch „Vormilch“ oder „Kolostrum“ genannt. Das Kolostrum ist besonders reich an Abwehrstoffen und Eiweiß und wirkt anregend auf die Darmtätigkeit – genau das, was Ihr Baby nach der Geburt benötigt.

Wenn Sie Ihr Baby nach der Geburt zum ersten Mal in den Armen halten, wird es Ihnen durch Schmatz- und Saugbewegungen deutlich zeigen, dass es an die Brust möchte. Ab diesem Zeitpunkt sollten Sie Ihr Kind ungefähr alle 2 bis 3 Stunden stillen. In den ersten beiden Tagen können die Stillpausen noch etwas länger sein. Wundern sie sich nicht, falls ihr Baby häufiger an die Brust möchte, auch das ist ganz normal. Lassen Sie sich in dieser Phase gut unterstützen!

In den meisten Fällen können die Neugeborenen nach Bedarf gestillt werden – legen Sie Ihr Kind immer dann an, wenn es trinken möchte. Ob Ihr Baby nur an einer Seite trinken möchte oder vielleicht an beiden, ist ganz unterschiedlich – richten Sie sich nach Ihrem Kind. Auch die Dauer einer Stillmahlzeit ist nicht bei allen Kindern gleich, manche brauchen vielleicht nur 15 Minuten, andere „Genießer“ docken erst nach einer Stunde wieder ab.

shutterstock_57929851Bevor Sie Ihr Baby an die Brust legen, versichern Sie sich, dass Sie gut sitzen oder liegen und genügend Lagerungskissen um sich haben. Eine bequeme Stillposition kann Ihnen helfen, das Baby leichter an die Brust zu bringen, und beugt der Entstehung von wunden Brustwarzen vor. Drehen Sie Ihr Baby so, dass sein Bauch in Ihre Richtung zeigt und Ohr, Schulter und Hüfte des Kleinen eine Linie bilden. Versichern Sie sich, dass Ihr Baby den Mund weit öffnet, damit es beim Andocken genügend Brustgewebe ansaugen kann. Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme oder Betreuungsperson die für Sie geeigneten Stillpositionen zeigen (Wiegegriff, Rückengriff, Stillen im Liegen).

Wenn Ihr Baby die Brustwarze weit genug im Mund hat, kann es sein, dass Sie bei den ersten Zügen ein unangenehmes Ziehen verspüren, das sich meistens legt, wenn die Milch zu fließen beginnt. Die Brustwarzen gewöhnen sich langsam an die Saugbelastung und nach wenigen Wochen werden Sie das Andocken nicht mehr als unangenehm wahrnehmen.

Ungefähr ab dem 3. Tag nach der Geburt beginnt sich die Vormilch zu verändern und geht in den nächsten Tagen langsam in die so genannte „reife Muttermilch“ über. Auch die Menge wird nach dem 3. Tag meist abrupt mehr, sodass es sein kann, dass sich Ihre Brüste dann sehr prall anfühlen. Sie werden merken, dass Ihr Baby bei den Stillmahlzeiten häufiger schluckt und vielleicht schon nach kürzerem Anlegen zufrieden ist oder einschläft.

Bis zum 10. Tag nach der Geburt geht die Schwellung in Ihren Brüsten wieder langsam zurück. Obwohl die Milchmenge nun meist ausreichend ist, spannen die Brüste nicht mehr so sehr.

In den ersten Lebenstagen wird Ihr Baby etwas abnehmen. Ungefähr ab dem 3. Lebenstag geht die Gewichtskurve dann wieder nach oben. Die meisten Kinder erreichen spätestens am 10. Lebenstag wieder das Geburtsgewicht. Normalerweise können Sie auch ohne Waage feststellen, ob Ihr Kind genügend Nahrung zu sich nimmt: Wenn es mindestens 5-6 nasse Windeln pro Tag hat, es mindestens 2-3 Mal am Tag senf- oder ockerfarbenen Stuhl hat, wenn es während der Stillmahlzeit häufig schluckt und wenn es sich am Ende der Stillmahlzeit entspannt.

In den nächsten Wochen und Monaten lernen Sie Ihr Baby immer besser kennen, das Alltagsleben spielt sich langsam ein und auch die Stillbeziehung wird meist harmonischer.

shutterstock_110055371Sollten Sie Fragen zum und beim Stillen haben, oder das Stillen bei Ihnen mit Schwierigkeiten verbunden sein, wird Ihnen Ihre Hebamme zu Hause oder das Betreuungspersonal auf der Wochenbettstation mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wie lange Sie stillen, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Wir Hebammen empfehlen, mindestens so lange weiter zu stillen, bis sich Ihr Baby schon gut an die Beikost gewöhnt hat.

Auch ein längeres Stillen bis zum ersten Lebensjahr und darüber hinaus ist durchaus wünschenswert und hat viele Vorteile für die Gesundheit Ihres Kindes.

Vorteile des Stillens:

  • Muttermilch enthält alle lebensnotwendigen Nährstoffe für die optimale Entwicklung Ihres Babys und passt sich dem jeweiligen Alter Ihres Kindes an. Sie ist so zusammengesetzt, dass die Nährstoffe bestmöglich aufgenommen werden können.
  • Muttermilch enthält viele Abwehrstoffe, die das Immunsystem Ihres Babys stärken. Gestillte Kinder sind seltener krank.
  • Stillen verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind später übergewichtig wird oder an Allergien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes leidet.
  • Muttermilch steht jederzeit in der richtigen Temperatur und hygienisch einwandfrei zur Verfügung.
  • Stillen fördert eine optimale Ausbildung des Kiefers und der Mundmuskulatur. Das fördert die Sprachentwicklung und es kommt seltener zu Zahnfehlstellungen.
  • Stillen fördert die optimale Entwicklung aller Sinne. Ihr Baby sieht, spürt, hört, riecht und schmeckt!
  • Stillen spart Geld.
  • Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter undder schwangerschaftsbedingten Veränderungen des weiblichen Körpers? nach der Geburt.
  • Stillhormone wirken entspannend und tragen so dazu bei, dass Sie die aufregende Zeit mit Ihrem Baby harmonischer erleben können.