Stillen

Babys essen a la carte

Hebammen beraten und unterstützen bei allen Fragen rund um die Ernährung von Kindern im ersten Lebensjahr und helfen über Schwierigkeiten hinweg. Muttermilch ist perfekt auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt und die natürlichste und beste Ernährung in den ersten Lebensmonaten. Aus diesem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), reif geborene, normalgewichtige Kinder bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen. Babys brauchen in dieser Zeit keine weiteren Speisen und Getränke und entwickeln sich prächtig, wenn sie immer an die Brust dürfen, sobald sie danach verlangen. Die feine Abstimmung von Stillen und Muttermilch geht über die Ernährung weit hinaus. Stillen sichert dem Baby die besten Entwicklungschancen, und es vermag sich sogar an Entwicklungsphasen anzupassen. Außerdem wird während der Stillmahlzeiten ein inniges Band zwischen Mutter und Kind geknüpft. Stillen hat eine beruhigende Wirkung auf die Psyche der Mutter und gibt Kraft für die neuen Aufgaben mit dem Baby. Das sinnliche Potpourri aus Hautkontakt, Blicken, Gerüchen, Lautäußerungen und dem Still- und Kuschelhormon Oxytocin bewirken „Liebe auf den ersten Blick“ zwischen Mutter und Kind. Das ist nur einer von zahlreichen positiven Aspekten für die Mutter. Darüber hinaus wirkt sich Stillen auch auf die Gesundheit der Frau günstig aus, ist bequem und spart zudem noch Geld.

Säuglinge haben eine Mission

Wie schon der Name verrät, haben Säuglinge eine wichtige Aufgabe – sie wollen saugen, am allerliebsten an der mütterlichen Brust. Doch jedes Kind ist einzigartig, und so gibt es auch Neugeborene, die mehr Zeit und Unterstützung brauchen, bis es mit dem Stillen klappt. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Medikamentengaben unter der Geburt, der Weg, auf dem das Baby auf die Welt gekommen ist, Trennungen in der ersten Phase des Kennenlernens oder ein sehr früher Einsatz von Schnuller oder Flaschensaugern. Egal, ob der Grund klar auf der Hand liegt oder nicht – die Lösung sollte im Vordergrund stehen, und so ist bei Stillproblemen die beste Erste-Hilfe-Maßnahme, professionelle Unterstützung beizuziehen. Hebammen kennen viele mögliche Stillpositionen, setzen Stillhilfsmittel (z.B. Stillhütchen, Milchpumpen) überlegt ein und helfen mit Tipps und Tricks über Schwierigkeiten hinweg. Hebammen sind Stillexpertinnen. Sie bieten Stillberatungen in gemütlichen Runden unter Gleichgesinnten an oder kommen nach Hause, um in gewohnter Umgebung Beistand zu leisten und mit gekonnten Handgriffen und informativer Aufklärung zur Entlastung und Lösung von Problemen beizutragen.

Gut, aber aus

Irgendwann wird der Tag kommen, an dem die Mutter oder das Baby abstillen möchten. Im Idealfall deckt sich dieser Wunschzeitpunkt bei beiden oder die Initiative geht vom Baby aus. Denn weniger Nachfrage bedeutet weniger Milchproduktion, und die Milchmenge geht langsam aber stetig zurück. Wenn die Mutter früher als ihr Baby abstillen möchte, bestimmt sie den Zeitpunkt und verkürzt nach und nach die Stillmahlzeiten. Die überschüssige Milch wird vom Körper resorbiert und aufgrund der geringeren Nachfrage wird schließlich weniger produziert. Salbei- oder Pfefferminztee wirken stark milchreduzierend und können zur Unterstützung in der Zeit des Abstillens getrunken werden. Bei einem unangenehmen Spannungsgefühl in der Brust hilft eine sanfte Brustmassage unter der warmen Dusche und bringt Entlastung und Linderung. Auch kühle Kompressen finden ihre Anwendung. Sie schränken die Durchblutung ein und beugen Brustentzündungen vor. Die Zeit des Abstillens muss nicht alleine bewältigt werden, und die vielen Fragen rund um Babys neuen Speiseplan können mit der Hebamme besprochen werden. Je mehr Zeit für die Ernährungsumstellung eingerechnet wird, umso unkomplizierter wird sie sich gestalten. Im ersten Schritt sollte man die Mittags- oder Nachmittagsmahlzeit durch Beikost ersetzen, um das Baby langsam an die neuen Mahlzeiten zu gewöhnen. Ist das Stillen stark ritualisiert, hilft es, wenn diese Rituale ersetzt und verstärkt vom Vater übernommen werden.

Neuer Alltag, neue Worte – gut zu wissen, was gemeint ist. Hebammen stillen den Wissensdurst

Hungerzeichen

… kündigen an, dass jetzt Essenszeit ist. Wenn das Baby die Zunge rausstreckt, schmatzt, den Kopf suchend hin und her bewegt oder die Lippen spitzt, hat es Hunger. Wird die „Bestellung“ übersehen, setzt meist bald darauf Protestgeschrei ein.

Ad libitum

… ist das Stillen nach Bedarf des Babys und der Mutter. Sich danach zu richten und immer dann zu stillen, wenn das Baby Hunger signalisiert, ergibt den idealen Stillrhythmus.

Fußballhaltung

… ist der coole Name für eine beliebte Stillhaltung. Das Baby liegt seitlich, mit den Beinen in Richtung mütterlicher Rücken. Hebammen kennen die unterschiedlichsten Stillpositionen, um einem Milchstau vorzubeugen, eine etwaige Kaiserschnittnarbe zu schonen, entspannt liegen bleiben zu können, Schonhaltungen zu vermeiden oder wenn das Baby eine Seite bevorzugt.

Clustern

… ist „Stillen in Dauerschleife“: Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise und nochmal das Ganze. Diesem Phänomen, das meist abends auftritt, sollte unbedingt nachgegeben werden. Auf diese Weise bestellt sich das Baby die ausreichende Milchmenge für den nächsten Tag und in Zeiten von Wachstumsschüben wird die Milchproduktion auf den erhöhten Bedarf des Babys angepasst. Sollten Verunsicherungen entstehen, ob das Kind auch tatsächlich gut gedeiht, tut Hebammenberatung sicher gut.

Saugverwirrung

… kann entstehen, wenn sehr früh ein Schnuller zum Einsatz kommt oder mit der Flasche gefüttert wird. Manche Babys nehmen die Brust dann nicht mehr problemlos an, da unterschiedliche Saugtechniken zu Verwirrungen führen können. Nun ist Geduld und Hilfe gefragt. Hebammen sind auch hierfür ideale Ansprechpartnerinnen.