Kaiserschnitt – Entscheidung

Angst ist kein guter Ratgeber

Jede Frau soll sich frei entscheiden können, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte, wenn kein medizinisches Risiko besteht.

Mit dem Beginn der Schwangerschaft setzen sich Frauen und ihre Partner immer wieder mit der bevorstehenden Geburt auseinander. Neugier und Freude wechseln sich ab mit der Sorge, ob alles gut gehen wird, und natürlicherweise gibt es auch Momente der Angst.

Gerade mit der Geburt des ersten Kindes kommt eine völlig unbekannte Situation auf die Frau zu, der sie sich vielleicht nicht gewachsen fühlt. Oft fürchten sich schwangere Frauen vor den Schmerzen bei der Geburt und machen sich Sorgen um ihr Kind.

Ein Kaiserschnitt (Sectio) scheint dann eine einfache Lösung des Problems zu sein…

In manchen Fällen ist ein Kaiserschnitt unvermeidbar, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. Rund zwei Prozent aller Geburten erfordern von vornherein einen Kaiserschnitt, z.B. wenn der Mutterkuchen vollständig vor dem Muttermund liegt. Bei weiteren zehn Prozent wird aus medizinischen Gründen während der Geburt ein Kaiserschnitt notwendig, z.B. weil das Baby nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. In Österreich kommen jedoch inzwischen knapp 30 Prozent aller Kinder durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Das sind wesentlich mehr Kaiserschnitte als medizinisch notwendig.

Wir Hebammen sehen diese Entwicklung mit Sorge. Die Angst vor den Geburtsschmerzen sollte aus unserer Sicht kein Grund sein, sich die große Bauchoperation Sectio anzutun. Diese Angst hat oft mit Nicht-Wissen zu tun und ist zumeist durch Aufklärung über die Vorgänge bei der Geburt und die Methoden und Funktionsweisen der Schshutterstock_32776135merzbekämpfung zu bewältigen. Der Kaiserschnitt nimmt der Frau das starke, äußerst emotionale Erlebnis der Geburt, das Mutter und Kind ganz intensiv verbindet. Das sollte aus unserer Sicht nur dann in Kauf genommen werden, wenn es aus medizinischen Gründen notwendig ist. Es gibt keine Lebenssituation, in der soviel von dem so genannten Liebeshormon und Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet wird, wie bei einer natürlichen Geburt und beim Stillen.

Nach einem Kaiserschnitt empfinden viele Frauen den Wundschmerz und seine Heilungsphase als sehr belastend. Außerdem gibt es mittlerweile Studien, die auf gesundheitliche Nachteile für das Kind hinweisen. Babys haben nach Kaiserschnitt häufiger Anpassungsstörungen als Kinder, die vaginal geboren werden, d.h. Probleme, sich bei der Geburt spontan auf das Atmen umzustellen. Auch die Anfälligkeit für Infektionen, Asthma und Allergien scheint höher zu sein. Wenn ein Kaiserschnitt geplant ist und es dem Baby im Bauch gut geht, ist es jedenfalls sinnvoll, ihn nicht zu lange vor dem errechneten Geburtstermin durchzuführen.

Am besten informieren Sie sich schon in der Schwangerschaft über Vor- und Nachteile eines Kaiserschnitts, um falls notwendig eine persönliche, informierte und selbstbestimmte Entscheidung treffen zu können. Es ist wichtig, dass Sie die Kurz- und Langzeitfolgen dieser Operation verstehen und gegebenenfalls wissen, wo Sie sich professionelle Unterstützung holen können. Hebammen können Ihnen dabei behilflich sein, offene Fragen zu klären, Sorgen zu mindern und Sie in Ihrer individuellen Situation unterstützen.

Wenn bei Ihnen ein Kaiserschnitt notwendig ist, dann versuchen Sie, Ihrem Baby einen frühen Haut-zu-Haut-Kontakt zu ermöglichen. Dies fördert die Bindung zu Ihrem Kind, erleichtert das Stillen und gibt Ihnen Kraft, die große Operation rascher zu verarbeiten. Erkundigen Sie sich in Ihrem Spital nach den Möglichkeiten für „Bonding“ nach der Kaiserschnittgeburt. Hebammenbetreuung im Wochenbett und in der ersten Zeit mit dem Baby können Sie auch nach einem Kaiserschnitt in Anspruch nehmen.

Die Ansicht: „Einmal Kaiserschnitt immer Kaiserschnitt“ ist inzwischen überholt. Jede Geburt ist einzigartig. Auch wenn Sie schon einmal einen Kaiserschnitt hatten, ist es häufig möglich, das nächste Kind vaginal zu gebären. Suchen Sie sich deshalb Unterstützung in einem Krankenhaus, in dem eine Spontangeburt nach Kaiserschnitt ermöglicht wird. In diesem Fall kann eine individuelle Geburtsbegleitung durch eine Hebamme hilfreich sein.

Wir meinen: Jede Frau soll sich – wenn kein medizinisches Risiko besteht – frei dafür entscheiden können, wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchte. Angst sollte bei dieser Entscheidung nicht der maßgebliche Faktor sein.